Schutz und Trutz –
Burgen und Befestigungen im sächsischen Vogtland
CC BY-ND Namensnennung, keine Bearbeitung
Das sächsische Vogtland ist eine Burgenlandschaft – doch wer hohe Mauern und zinnenbekrönte Türme erwartet, wird oft enttäuscht. Dieses Bild verdankt sich vor allem der romantischen Vorstellung des 19. Jahrhunderts, nicht der mittelalterlichen Wirklichkeit.
Die ersten Burgen des 12. Jahrhunderts, entstanden im Zuge des Landesausbaus, waren schlicht: künstlich aufgeschüttete, runde Erdhügel von 20 bis 25 Metern Durchmesser, umgeben von Graben und Wall. Auf ihrer Spitze erhob sich vermutlich ein turmartiger Holz- oder Fachwerkbau; Stein wurde erst im 13. Jahrhundert zum prägenden Baumaterial. Mehr als die Hälfte der Burgen im Vogtland sind solche unscheinbaren Erdhügelanlagen. Sie waren keine repräsentativen Herrschaftssitze, sondern funktionale Stützpunkte zur Sicherung von Besitz und Rechten sowie zur Kontrolle der Verkehrswege.
Für den weiteren Landesausbau wurden größere Burgen aus Stein errichtet. Stolz thront noch heute Burg Mylau auf einem Bergrücken, ebenso prägt Schloss Voigtsberg das Landschaftsbild. Die Ruine Burg Elsterberg war Teil der Stadtbefestigung, ebenso wie in Plauen. Von solchen Anlagen aus übten die Landesherren, darunter die Vögte von Plauen, ihre Herrschaft aus. Daneben bestanden regionale Zentren wie Burg Wiedersberg und Burg Liebau. Als außergewöhnlich aufgrund ihrer Felslage gelten die Burg Schöneck, Burg Falkenstein und das Schloss Auerbach.
Die mittelalterlichen Burgen im Vogtland zeigen eine bemerkenswerte Vielfalt, deren Erforschung um 1900 einsetzte. Die vollständig freigelegten Grundmauern der Burg Rodewisch liefern dabei anschauliche Einblicke: Hier konnten Archäologen wertvolle Fundstücke zum Alltag auf einer Burg dokumentieren. Die Sonderausstellung im Vogtlandmuseum präsentiert diese archäologischen Erkenntnisse und stellt den aktuellen Wissensstand zur regionalen Burgenforschung zusammen.
Webseite: https://www.vogtlandmuseum-plauen.de/vogtlandmuseum/sonderausstellungen
Flyer zur Veranstaltung: Download